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Kaufnebenkosten und Grunderwerbsteuer berechnen

Grunderwerbsteuer aller 16 Bundesländer mit Gültigkeitsdatum, Notar- und Grundbuchkosten sowie die Maklerteilung seit Dezember 2020.

Zahlungsplan

Wann welcher Betrag fällig wird

Die unangenehme Wahrheit über Kaufnebenkosten ist nicht ihre Höhe, sondern ihr Zeitpunkt: Maklerprovision, Notar und Grunderwerbsteuer werden fällig, bevor die Bank den Kaufpreis überweist. Dieser Liquiditätsgipfel überrascht fast jeden Käufer.

Der eine Posten, der alles blockiertDie Grunderwerbsteuer ist der kritische Posten: Der Bescheid kommt Wochen nach dem Notartermin, und ohne ihre Zahlung stellt das Finanzamt keine Unbedenklichkeitsbescheinigung aus — ohne die wiederum trägt das Grundbuchamt dich nicht als Eigentümer ein. Wer hier knapp kalkuliert, steht mit unterschriebenem Kaufvertrag ohne Geld da.
Zuletzt geprüft am 9. August 2026Geprüft von , IHK-geprüfte Sachkunde Immobiliardarlehensvermittlung Lesezeit rund 6 Minuten

Wie hoch sind die Kaufnebenkosten beim Hauskauf?

Die Kaufnebenkosten liegen in Deutschland bei 9 bis 15 % des Kaufpreises. Sie setzen sich zusammen aus Grunderwerbsteuer (3,5 % in Bayern bis 6,5 % in Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, Saarland und Schleswig-Holstein), rund 1,5 bis 2,0 % für Notar und Grundbuch sowie der Maklerprovision, die seit dem 23. Dezember 2020 beim Kauf durch Verbraucher zwischen Käufer und Verkäufer geteilt wird. Entscheidend: Diese Kosten finanziert die Bank in aller Regel nicht mit.

Steuersätze aller 16 Länder mit Gültigkeitsdatum

Kaufnebenkosten: 5,5 bis 12 Prozent, und fast immer aus Eigenkapital

Kaufnebenkosten schaffen keinen Beleihungswert. Eine Bank finanziert das Objekt, nicht die Steuer darauf. Deshalb gilt in der Praxis: Wer die Nebenkosten nicht selbst aufbringt, braucht eine Vollfinanzierung über 100 Prozent — mit deutlich engerem Anbieterkreis und einem Zinsaufschlag von rund 0,6 bis 1,0 Prozentpunkten.

Grunderwerbsteuer nach Bundesland

Grunderwerbsteuer aller 16 Bundesländer, Stand August 2026
BundeslandSteuersatzGültig seitBei 400.000 € Kaufpreis
Bayern3,50 %01.01.199714.000 €
Baden-Württemberg5,00 %05.11.201120.000 €
Niedersachsen5,00 %01.01.201420.000 €
Rheinland-Pfalz5,00 %01.03.201220.000 €
Sachsen-Anhalt5,00 %01.03.201220.000 €
Thüringen5,00 %01.01.2024 (gesenkt von 6,5 %)20.000 €
Bremen5,50 %01.07.2025 (erhöht von 5,0 %)22.000 €
Hamburg5,50 %01.01.202322.000 €
Sachsen5,50 %01.01.202322.000 €
Berlin6,00 %01.01.201424.000 €
Hessen6,00 %01.08.201424.000 €
Mecklenburg-Vorpommern6,00 %01.07.201924.000 €
Brandenburg6,50 %01.07.201526.000 €
Nordrhein-Westfalen6,50 %01.01.201526.000 €
Saarland6,50 %01.01.201526.000 €
Schleswig-Holstein6,50 %01.01.201426.000 €
Häufiger Fehler in Ratgeberportalen: Thüringen wird vielerorts noch mit 6,5 Prozent geführt. Der Satz wurde zum 1. Januar 2024 auf 5,0 Prozent gesenkt. Bei einem Kaufpreis von 400.000 Euro ist das ein Unterschied von 6.000 Euro.

Was in die Bemessungsgrundlage gehört — und was nicht

Besteuert wird der Kaufpreis des Grundstücks samt fest verbundener Bestandteile. Bewegliches Zubehör, das im Kaufvertrag gesondert ausgewiesen wird — Einbauküche, Markise, Sauna, Gartenhaus — gehört nicht dazu. Eine mit 15.000 Euro separat ausgewiesene Küche spart in Nordrhein-Westfalen 975 Euro Grunderwerbsteuer. Finanzämter akzeptieren das, solange der Wertansatz plausibel bleibt; als Faustregel gilt ein Anteil bis etwa 15 Prozent des Kaufpreises.

Notar und Grundbuch

Die Gebühren sind im Gerichts- und Notarkostengesetz bundeseinheitlich geregelt — es gibt keinen Preiswettbewerb. Zusammen etwa 1,5 bis 2,0 Prozent des Kaufpreises, aufgeteilt in rund 1,2 Prozent Notar (Beurkundung des Kaufvertrags, Grundschuldbestellung, Abwicklung) und rund 0,8 Prozent Grundbuchamt (Auflassungsvormerkung, Eigentumsumschreibung, Grundschuldeintragung).

Maklerprovision und das Teilungsprinzip

Seit dem 23. Dezember 2020 gilt beim Kauf von Einfamilienhäusern und Eigentumswohnungen durch Verbraucher das Teilungsprinzip nach §§ 656a ff. BGB: Der Käufer darf höchstens die Hälfte der Provision tragen, und er muss erst zahlen, wenn der Verkäufer seinen Anteil nachweislich gezahlt hat. Üblich sind 3,57 Prozent inklusive Umsatzsteuer je Seite.

Achtung bei Mehrfamilienhäusern und Grundstücken: Das Teilungsprinzip gilt nur für Wohnungen und Einfamilienhäuser beim Verkauf an Verbraucher. Bei anderen Objektarten kann die volle Provision weiterhin dem Käufer auferlegt werden.

Gesamtquote nach Szenario

Bei 400.000 Euro Kaufpreis entspricht die Spanne 22.000 bis 48.280 Euro
SzenarioGrunderwerbsteuerNotar + GrundbuchMaklerGesamt
Bayern, ohne Makler3,50 %2,00 %5,50 %
Bayern, mit Makler3,50 %2,00 %3,57 %9,07 %
NRW, ohne Makler6,50 %2,00 %8,50 %
NRW, mit Makler6,50 %2,00 %3,57 %12,07 %

Häufige Fragen

Kann ich die Kaufnebenkosten mitfinanzieren?

Grundsätzlich ja, es heißt dann 110-Prozent-Finanzierung. Praktisch macht das nur ein kleiner Teil der Institute, und der Zinsaufschlag liegt bei rund einem Prozentpunkt. Voraussetzung ist in aller Regel ein überdurchschnittliches, sicheres Einkommen. Mehr dazu unter Baufinanzierung ohne Eigenkapital.

Wann wird die Grunderwerbsteuer fällig?

Das Finanzamt schickt den Bescheid nach Eingang der Notarmitteilung, meist vier bis acht Wochen nach Beurkundung. Zahlungsfrist ist üblicherweise ein Monat. Erst nach Zahlung erteilt das Finanzamt die Unbedenklichkeitsbescheinigung, ohne die keine Eigentumsumschreibung im Grundbuch erfolgt. Der Betrag muss also früh verfügbar sein.

Gibt es Befreiungen?

Ja, unter anderem beim Erwerb zwischen Ehegatten und in gerader Verwandtschaftslinie, also etwa vom Elternteil an das Kind. Auch Erwerbe unter 2.500 Euro sind befreit. Der Erwerb zwischen Geschwistern ist nicht befreit.

MH
Max Hasenohr
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